Walter, Ingrid: Dem Verlorenen nachspüren : autobiographische Verarbeitung des Exils deutschsprachiger Schriftstellerinnen / Ingrid Walter
Taunusstein : Driesen, 2000, (Driesen Edition Wissenschaft). - 164 S. ; 19 cm. Zugl. Frankfurt (Main), Universität, Magisterarbeit, 1996. ISBN 3-9807344-2-0 kart., EUR 20,00 Schriftstellerinnen waren von den Auswirkungen des Exils zumeist stärker betroffen, als ihre männlichen Kollegen. Sie wurden nicht nur aus ihrem Sprach- und Kulturraum herausgerissen, sondern mussten häufig auch die Rolle des Ernährers ihrer Familien oder Lebensgemeinschaften übernehmen. Viele von Ihnen waren gezwungen, ihre künstlerische Arbeit vorübergehend oder sogar ganz aufzugeben. Ingrid Walter untersucht die Autobiographien »Die fahrenden Jahre« von Elisabeth Freundlich, »Von Wien nach Hollywood« von Gina Kaus und »Der Riß der Zeit geht durch mein Herz« von Hertha Pauli. Die Autorin zeigt, mit welchen erzählerischen Mitteln die drei Schriftstellerinnen ihre Persönlichkeiten darstellen, welche inneren Widersprüche dabei sichtbar werden und wie sie die Grenzsituation des Exils beschreiben. Die Autorin: Jahrgang 1963; Ausbildung zur Bürokauffrau; Abitur; Studium der Germanistik, Kunstgeschichte und Amerikanistik; Magistra Artium; Veröffentlichungen zur Exilliteratur und zur Literatur über den Holocaust; Doktorandin am Institut für Neuere Deutsche Literatur an der Philipps-Universität Marburg mit einer Arbeit über das Werk der Schriftstellerin und Zeitzeugin Anja Lundholm. Ingrid Walter lebt und arbeitet als Journalistin und Kommunikationsmanagerin in Offenbach am Main. Vorwort „Signale gegen das Vergessen“ nannte Christine Backhaus-Lautenschläger 1991 die Neuauflagen verschiedener Romane und Autobiographien von Frauen über das Exil. Die Recherchen im Vorfeld der vorliegenden Arbeit haben gezeigt, daß diese Signale nicht von Dauer waren. Viele der von Backhaus-Lautenschläger genannten Titel waren bereits 1995/96, als ich mit der Arbeit begann, nicht mehr im Buchhandel zu bekommen. Die Autobiographie von Gina Kaus, die unter anderen im folgenden besprochen wird, ist bis heute vergriffen. Der Suhrkamp-Verlag überließ mir freundlicherweise das letzte Exemplar aus Lagerbeständen. Insgesamt ist die Primärliteratur von Schriftstellerinnen über das Exil schwer zugänglich und meist nur über Antiquariate zu erwerben. Mit der Literatur von Frauen aus den zwanziger Jahren ist es kaum anders. Ein Großteil der Werke der drei bekannten Schriftstellerinnen, deren Autobiographien Gegenstand dieser Arbeit sind, sind nicht verfügbar. Es bleibt deshalb die Aufgabe der Exilforschung, auf vergessene Autorinnen aufmerksam zu machen. Dies ist eines der Hauptanliegen der folgenden Arbeit, mit der ich mein Studium der Germanistik an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main im November 1996 abgeschlossen habe. Die Idee für die Abschlußarbeit geht auf die intensive Beschäftigung mit der zweiteiligen Autobiographie von Hans Sahl („Memoiren eines Moralisten“ und „Das Exil im Exil“) zurück. Ich hatte im Rahmen eines Seminars und bei späteren Lesungen die Möglichkeit, den Schriftsteller, der 1988 nach Deutschland zurückgekehrt war, persönlich kennen zu lernen. Seine Persönlichkeit und sein Lebenslauf, der stark von der deutschen Geschichte dieses Jahrhunderts geformt war, haben mich stark beeindruckt. Seine Lebensberichte gaben den Anstoß, mich mit Strukturen und Besonderheiten von Exilautobiographien auseinanderzusetzen. In Seminaren des bekannten Exilwissenschaftlers Prof. Dr. Guy Stern hatte ich später Gelegenheit zum intensiven Studium der Exilliteratur. Mit ihm entstand über das Studium hinaus ein reger geistiger Austausch. Er hat mich in der Wahl meines Examensthemas wesentlich bestärkt und mich in hohem Maße zu meiner weiteren Beschäftigung mit der Exilliteratur angeregt. Mein besonderer Dank gilt Prof. Dr. Volker Bohn, der die vorliegende Arbeit mit viel Interesse und kritischem Urteilsvermögen begleitet hat und mir stets hilfsbereit zur Seite stand. Mein weiterer Dank gilt meinen Eltern, deren Unterstützung maßgeblich zur Beendigung meines Studiums beigetragen hat. Für stetige Anregung, Ermutigung und unermüdliches Korrekturlesen danke ich Yvonne Pollnick, Stephanie Bender und Sabine Börchers. Ohne das Verständnis und die Geduld von Wolfgang, meinem langjährigen Lebensgefährten, der mich zu Spaziergängen überredete, um sich meine stundenlangen Rezitationen anzuhören, wäre diese Arbeit sicher nicht zustande gekommen. Ihm und Yvonne widme ich dieses Buch. Ingrid Walter Aus dem Inhalt Vorwort Inhaltsverzeichnis 1. Einleitung 2. Exilautobiographien von Schriftstellerinnen 2.1. Zur Typologie der Exilliteratur 2.2. Charakteristika von Exilautobiographien 2.3. Autobiographie – eine weibliche Gattung? 2.4. Entstehung weiblicher Exilautobiographien 2.5. Besonderheiten weiblicher Exilautobiographien 3. Elisabeth Freundlich – Die fahrenden Jahre 3.1. Biographische Angaben 3.2. Entstehung und Aufbau der Erinnerungen 3.3. Wie wird man eine bewußte, politisch unabhängige Schriftstellerin? – Entstehung und Darstellung des Ichs 3.4. Kleine Denkmäler einer Epoche – Porträts 3.5. Das verlorene Paradies 3.6. Die Schreckerreger kommen – der Beginn des Exils 3.7. Keine Kaffeehaustigerin – Widerstand im französischen Exil 3.8. Sinkendes Schiff Europa – der Weg aus Frankreich 3.9. Amerikanische Erfahrungen 3.10. Die Austro-American Tribune 3.11. Wir sind unerwünscht – Rückkehr nach Wien 3.12. Resümee 4. Gina Kaus – Von Wien nach Hollywood 4.1. Biographische Angaben 4.2. Entstehung und Aufbau der Erinnerungen 4.3. Kein anständiges Mädchen – Entstehung und Darstellung des Ichs 4.4. Porträt einer Zeit 4.5. Janusköpfe einer zwiespältigen Epoche – Porträts 4.6. Das Ende des unpolitischen Menschen 4.7. Wir fahren morgen – der Beginn des Exils 4.8. Das Land der eingeschränkten Möglichkeiten 4.9. Keine Nobelemigrantin – Hollywood 4.10. Zwischenspiele in Europa 4.11. Resümee 5. Hertha Pauli – Der Riß der Zeit geht durch mein Herz 5.1. Biographische Angaben 5.2. Entstehung und Aufbau des Erlebnisbuches 5.3. Ophelia mit Rotschopf – Entstehung und Darstellung des Ichs 5.4. Wer fürchtet sich vor’m schwarzen Mann – der Beginn des Exils 5.5. Der Stammtisch des Exils – Porträts 5.6. Ich liebe Brücken – Liebe als Überlebensentwurf 5.7. Menschenfalle Frankreich 5.8. „You are welcome“ – Ankunft in der Neuen Welt 5.9. Resümee 6. Vergleich der Autobiographien 7. Schlußgedanken Bibliographie Primärliteratur Weiterführende Primärliteratur Sekundärliteratur Werkverzeichnisse Werkverzeichnis Elisabeth Freundlich Werkverzeichnis Gina Kaus Werkverzeichnis Hertha Pauli Index 1. Einleitung Das Exil ist eine Krankheit, eine Gemütskrankheit, eine Geisteskrankheit, ja zuweilen eine körperliche Krankheit. Sie ist vererbbar – wir haben Beispiele dafür.[1] So beschreibt die österreichische Schriftstellerin Hilde Spiel in ihrem Aufsatz, Psychologie des Exils, jenen Zustand, der für eine ganze Generation von Künstlern und Künstlerinnen prägend für deren Leben und vor allem für deren künstlerische Entwicklung geworden ist. Die Schriftstellerinnen, Elisabeth Freundlich, Gina Kaus und Hertha Pauli, deren Lebensläufe Gegenstand dieser Arbeit sein sollen, wurden kurz vor oder nach der Jahrhundertwende geboren. Die Frauen dieser Generation waren die ersten, die von den neugeschaffenen Rechten, wie Wahlrecht und dem Recht auf höhere Bildung von Anbeginn ihres Lebens Gebrauch machen konnten. Das Vordringen der Frauen in das Berufsleben wurde verstärkt durch den Mangel an männlichen Arbeitskräften während des Ersten Weltkriegs. Obwohl nach dem Krieg Maßnahmen getroffen wurden, Männer in ihre Berufe zurückzuführen, nahm die Anzahl der erwerbstätigen Frauen seit 1924 stetig zu.[2] In den aufstrebenden Bereichen des Theater- und Zeitungswesens waren ebenfalls vermehrt Frauen tätig. Die neue Frau, die berufstätig, finanziell unabhängig, selbständig und oft unverheiratet war, wurde bald in der zeitgenössischen Literatur, besonders von Schriftstellerinnen dargestellt. So auch in den Romanen und Novellen von Gina Kaus. Hertha Pauli trat mit einer Biographie über die Pazifistin und Frauenrechtlerin Bertha von Suttner hervor.[3] Elisabeth Freundlich arbeitete als Regieassistentin und schrieb einen Roman, der unveröffentlicht blieb. Die Autobiographien der drei österreichischen Schriftstellerinnen werden in dieser Arbeit exemplarisch für ihre Generation untersucht. Dies soll einmal anhand ihrer Lebensläufe sowie an Aufbau und Sprache der Texte geschehen. Durch die ähnlichen Lebensläufe hat sich innerhalb der Autobiographien eine vergleichbare Struktur gebildet, die die Grundlage für die folgende Untersuchung bietet. Literaturgeschichte (ist) neu zu konzipieren, eine Verbindung herzustellen vom Biographischen zum Zeitgeschichtlichen, von der ästhetischen Besonderheit der Literatur zu ihrer politischen Bedingtheit und Wirkung.[4] Diese jungen Schriftstellerinnen standen am Beginn ihrer Karriere, hatten bereits erste Werke veröffentlicht oder waren kurz davor, als ihre vielversprechenden Anfänge durch den Lauf der Geschichte jäh unterbrochen wurden. Im Januar 1933 hatten die Nationalsozialisten in Berlin die Macht übernommen. Im Mai des Jahres wurden erstmals Bücher jüdischer und andersdenkender SchriftstellerInnen verbrannt. Wer nicht Mitglied der Reichsschrifttumskammer war, durfte nicht mehr veröffentlichen. Zahlreiche SchriftstellerInnen, KünstlerInnen und WissenschaftlerInnen hatten Deutschland bereits nach dem Reichstagsbrand am 27. Februar 1933 verlassen und waren zunächst nach Prag oder Paris gegangen. Einige flüchteten vorerst nach Wien, wo sie bis zur Annexion blieben. Für Elisabeth Freundlich, Gina Kaus und Hertha Pauli, wie für viele andere ZeitgenossInnen, begannen 1938 die Jahre des Exils. Die Frauen traf das Exil oft härter als ihre männlichen Kollegen. Sie wurden nicht nur aus ihrem Sprach- und Kulturraum herausgerissen, sondern ihnen blieb meist noch die Aufgabe, den Lebensunterhalt der Paare oder Familien zu sichern. Viele von ihnen mußten ihre künstlerische Arbeit vorübergehend oder ganz aufgeben. Einige kehrten nach dem Krieg nach Europa zurück, um ihre neuen Bücher zu veröffentlichen. Während des Nationalsozialismus war die Frauenbewegung und mit ihr viele emanzipatorische Bestrebungen kaltgestellt worden, so daß man nach dem Krieg vor einem Neubeginn stand. Schriftstellerinnen, die vor dem Exil gerade erst begonnen hatten, sich zu etablieren, waren inzwischen in Vergessenheit geraten. Ihre Bücher waren nicht im Buchhandel erhältlich. So wurden zum Beispiel die Romane, der, schon in der Weimarer Republik bekannten Autorin und Vertreterin der Neuen Sachlichkeit, Irmgard Keun, erst Ende der siebziger Jahre neu aufgelegt. Diese Situation hängt einerseits mit der späten Entdeckung der Exilliteratur im allgemeinen zusammen, andererseits wurden die Werke der Schriftstellerinnen von der Forschung nicht getrennt von denen der Schriftsteller beurteilt. Hinzu kam, daß das Lesepublikum in Deutschland und Österreich nicht mit der jüngsten Vergangenheit konfrontiert werden wollte. Selbst politisch engagierte SchriftstellerInnen, wie die Mitglieder der Gruppe 47, verschlossen sich den zurückgekehrten ExilantInnen. Neben Alfred Döblin, dessen mißlungener Rückkehrversuch der Exilliteraturforschung als häufigstes Beispiel dient, versuchte zum Beispiel Hans Sahl fast fünfzehn Jahre lang in Deutschland wieder Fuß zu fassen und einen Verleger für seinen Roman Die Wenigen und die Vielen zu finden.[5] Dieser Sachverhalt trifft ebenso für Elisabeth Freundlich, Gina Kaus und Hertha Pauli zu. Das Exil führte sie auf verschiedenen Wegen in die USA. Elisabeth Freundlich kehrte als Einzige 1950 in ihre Heimatstadt Wien zurück. Sie bemühte sich jahrelang um einen Verlag für ihren Roman Der Seelenvogel und ihre Erzählungen. Erst 1986 gelang ihr schließlich die Veröffentlichung.[6] Gina Kaus hielt sich nach dem Krieg mehrmals in Wien und Berlin auf, blieb aber schließlich in Hollywood, wo sie inzwischen erfolgreich als Drehbuchautorin arbeitete. Vor dem Exil war sie eine bekannte Romanschriftstellerin, deren Bücher häufiger ins Englische übersetzt wurden, als die Romane von Arnold Zweig oder Jospeh Roth.[7] Sie veröffentlichte in den USA keine Prosatexte mehr. Ihre Autobiographie war ihr letztes Werk und erschien erstmals 1979. Auch Hertha Pauli kehrte nicht nach Europa zurück. Ihr gelang der Wechsel in die fremde Sprache als Schriftstellerin und sie veröffentlichte Biographien und besonders Kinderbücher in englisch. Den Zustand, der Welt nicht zugehörig zu sein, das geistige Exil, überwanden alle drei ein Leben lang nicht. In diesem Zusammenhang macht Sylvia Patsch in ihrem Aufsatz Und alles ist hier fremd darauf aufmerksam, daß der Exilzeitraum von 1933 – 1945, der innerhalb der Forschung veranschlagt wird, zu kurz gewählt sei.[8] Die drei Autorinnen versuchen mit ihren Autobiographien Anschluß an ihr früheres Leben zu finden, um die Krankheit Exil auf diese Weise zu überwinden. Seit Mitte der sechziger Jahre spricht man von der Exilforschung als eigenständigem Forschungszweig. Ihr ist es im wesentlichen zu verdanken, daß es inzwischen viele Neuauflagen der verbotenen, verbrannten und nicht gewollten Bücher gibt. Den Anfang bildeten laut Alexander Stephans Grundlagenwerk, Die deutsche Exilliteratur 1933 – 1945, die von Wilhelm Sternefeld und Eva Tiedemann erarbeitete Bio-Bibliographie sowie die Exilausstellung der Deutschen Bibliothek.[9] Das neunbändige Werk von Hans-Albert Walter, Deutsche Exilliteratur 1933-1950, in dem der Zeitabschnitt erstmals detailliert behandelt wird und zahlreiche weitere Veröffentlichungen seit 1967 trugen dazu bei, daß die Exilliteratur ihren festen Platz in der Literaturgeschichte des 20. Jahrhunderts einnehmen konnte.[10] Die Schriftstellerinnen hatte man zunächst, bis auf wenige Ausnahmen, kaum beachtet. Im Zuge der Frauenbewegung der späten sechziger und frühen siebziger Jahre, begann man, auch deren Literaturgeschichte zu dokumentieren und zu erforschen. Seit den achtziger Jahren befaßt sich die Exilforschung vermehrt mit der Literatur und der Situation der Frauen im Exil. Daraus ergibt sich der Stand der Sekundärliteratur: Eines der ersten Bücher, das sich mit dem Thema befaßte, Frauen im Exil von Gabriele Kreis, erschien 1984[11]. Besonders zu erwähnen ist das neu überarbeitete Lexikon Deutschsprachiger Schriftstellerinnen im Exil 1933 bis 1945 von Renate Wall[12], das seit November 1995 in zwei Bänden vorliegt. Das Lexikon enthält die Lebensläufe einer großen Anzahl von Schriftstellerinnen sowie Werksverzeichnisse und Sekundärliteratur zu jeder Schriftstellerin. Außerdem befindet sich im Anhang eine umfassende Bibliographie zum Thema. Die vorliegende Arbeit wird sich, soweit es um persönliche Informationen über Schriftstellerinnen geht, auf das Lexikon von Renate Wall stützen. Zum Themenkomplex Frauen und Exil wurden Band 11 der Gesellschaft für Exilforschung Frauen im Exil von 1993[13] sowie Christine Backhaus-Lautenschlägers Werk, …Und standen ihre Frau, von 1991[14] zu Rate gezogen. Das erste Sekundärwerk enthält eine Sammlung von Aufsätzen, die sich mit verschiedenen Aspekten der weiblichen Exilliteratur befassen sowie drei Beiträge zur weiblichen Exilautobiographie. Das zweite versucht die Geschichte des weiblichen Exils zu erforschen, wobei hier Autobiographien auch als Quellen verwendet werden. Als Nachschlagewerk über Frauenliteraturgeschichte diente das zweibändige Lexikon Deutsche Literatur von Frauen, herausgegeben von Gisela Brinker-Gabler. Zu Elisabeth Freundlich, Gina Kaus und Hertha Pauli gibt es kaum Sekundärliteratur. Dabei gehen die existierenden Aufsätze meist auf die Biographien der Autorinnen ein, aber weniger auf deren Texte. In bezug auf die in dieser Arbeit besprochenen Autobiographien, wurde auf Kritiken aus Tageszeitungen zurückgegriffen. Im folgenden sollen die autobiographischen Texte der Autorinnen im Mittelpunkt stehen und genau untersucht werden. Autobiographien machen oft die fließenden Übergänge zwischen Realität und Fiktion sichtbar. Dabei ist es besonders interessant, durch welche erzählerischen Mittel, Frauen ihre Persönlichkeit darstellen, ob und wie sie innere Widersprüche sichtbar werden lassen, und wie sie die Grenzsituation des Exils beschreiben. In den Autobiographien zeigt sich besonders deutlich wie durch bestimmte Erlebnisse, die Menschen und deren weiterer Lebensweg geformt wurde. Dadurch scheinen sich die Lebensläufe einer starken ästhetischen Gestaltung zu entziehen. Der Schwerpunkt dieser Arbeit liegt auf der Beschäftigung mit der Situation der Exilschriftstellerinnen und der literarischen Verarbeitung ihrer Erfahrungen. In der Exilforschung wurde schon früh darauf hingewiesen, daß die Exilliteratur thematisch sowie sprachlich besondere Merkmale aufweist. Diese sogenannte Typologie der Exilliteratur soll im folgenden Kapitel besprochen und auf die untersuchten Autobiographien, angewandt werden. Aufbau und Sprache von Exilautobiographien von Frauen wurden bisher wenig erforscht. Es ist interessant zu sehen, wie sie mit Genre und Thematik umgehen. Deshalb soll ebenfalls im zweiten Kapitel auf weibliche Autobiographien und speziell, auf solche von Frauen über das Exil, eingegangen werden. Kapitel drei, vier und fünf beschäftigen sich mit den Autobiographien von Elisabeth Freundlich, Gina Kaus und Hertha Pauli, und zwar mit der Struktur und dem Stil ihrer Texte sowie mit den inhaltlichen Aspekten ihrer Lebensläufe. Im sechsten Kapitel sollen die drei verschiedenen Autobiographien verglichen werden. Bibliographie Primärliteratur Freundlich, Elisabeth: Die fahrenden Jahre, Salzburg 1992. 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[1]Hilde Spiel, Psychologie des Exils, in: Österreicher im Exil 1934 bis 1945. Protokoll des Internationalen Symposiums zur Erforschung des Österreichischen Exils von 1934 bis 1945. Hrsg.: Dokumentenarchiv des österreichischen Widerstandes, Wien 1977.
[2]Vgl. Gisela Brinker-Gabler (Hrsg.), Deutsche Literatur von Frauen, Bd. 2, 19. u 20. Jahrhundert, München 1988, S. 221.
[3]Hertha Pauli, Nur eine Frau, 1937, Neuaufl. unter dem Titel Das Genie eines liebenden Herzens, Wien 1955.
[4]Schmidt-Henkel, Begrüßungsworte zur Eröffnung der Ausstellung „Deutsche Literatur im Exil 1933-1945“, in: Dokumentation deutscher Literatur im Exil, hrsg. von Karl-Heinz Danner, Saarbrücken 1973, S. 3.
[5]Hans Sahl, Die Wenigen und die Vielen, Frankfurt 1959, Anm.: Der Roman wurde nochmals in den siebziger Jahren aufgelegt und in einer 3. Auflage 1991, nachdem Sahl 1988 nach Deutschland zurückgekehrt war.
[6]Freundlich, Der Seelenvogel, Wien 1986. Dies.: Finstere Zeiten. Vier Erzählungen, Mannheim 1986.
[7]Heike Klapdor-Kops, Das Exil der Frauen. Thesen zu einer überlesenen Geschichte, in: Sammlung 5, Jahrbuch für antifaschistische Literatur und Kunst, hrsg. von Uwe Naumann, Frankfurt 1982, S. 116.
[8]Brinker-Gabler, Deutsche Literatur von Frauen, Bd. 2, S. 311.
[9]Alexander Stephan, Die deutsche Exilliteratur 1933-1945, München 1979, S. 10.
[10]Hans-Albert Walter, Deutsche Exilliteratur 1933-1950, Darmstadt 1972-78, 9 Bde.
[11]Gabriele Kreis, Frauen im Exil, Düsseldorf 1984.
[12]Renate Wall, Lexikon deutschsprachiger Schriftstellerinnen im Exil: 1933 bis 1945, Freiburg 1995.
[13]Exilforschung. Ein internationales Jahrbuch, Bd. 11, Frauen im Exil: Zwischen Anpassung und Selbstbehauptung, hrsg. von der Gesellschaft für Exilforschung, München 1993.
[14]Christine Backhaus-Lautenschläger, …Und standen ihre Frau. Das Schicksal deutschsprachiger Emigrantinnen in den USA nach 1933, Pfaffenweiler 1991.