Müller, Karsten: Kulturelle Einflüsse auf die Arbeitszufriedenheit : eine multinationale Untersuchung
Mit einem Geleitwort von Walter Bungard - Taunusstein : Driesen, 2. Aufl. 2008 (Driesen Beiträge zum Human Resource Management). 286 S., 11 Abbildungen, 14 Tabellen, 19 cm. - Zugl.: Mannheim, Universität, Dissertation, 2006. ISBN 978-3-86866-088-3, Softcover, 34,00 Euro Internationales Human Resource Management ist im Zuge der rasant fortschreitenden Globalisierung eine der bedeutsamsten, aber auch anspruchsvollsten Aufgaben eines multinationalen Unternehmens. Der Mitarbeiterbefragung kommt hier die Rolle eines wichtigen strategischen Instruments zu, das bei guter Implementierung in der Lage ist, ein positives Mitarbeiter-Management-Verhältnis zu etablieren und die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens zu steigern. Insbesondere für multinationale Firmen ist die Mitarbeiterbefragung von großer Bedeutung, da sie eines der wenigen verbleibenden Instrumente darstellt, mit einer global verteilten Belegschaft in Kontakt zu bleiben. Das Kernstück einer Mitarbeiterbefragung bildet die Erfassung der Arbeitszufriedenheit. Karsten Müller widmet sich vor diesem Hintergrund in umfassender Weise Fragen des kulturellen Einflusses auf die Arbeitszufriedenheit. Hierbei stehen insbesondere die globale Anwendbarkeit der Messinstrumente, die unterschiedliche kulturelle Bedeutung der Facetten der Arbeitszufriedenheit und die Vergleichbarkeit der Daten aus verschiedenen Kulturen im Vordergrund. Der Autor: Jahrgang 1972; Studium der Psychologie an der Universität Mannheim und an der San Diego State University, USA; von 2001 bis 2002 Tätigkeit am Lehrstuhl für Diagnostik, Evaluation und Forschungsmethoden, seit 2002 am Lehrstuhl für Wirtschafts- und Organisationspsychologie der Universität Mannheim; Lehraufträge an der FernUniversität in Hagen und der Hochschule Pforzheim. Neben der Lehrtätigkeit arbeitet Karsten Müller als Berater in zahlreichen internationalen Organisationsdiagnose und -entwicklungsprojekten.
Geleitwort Regelmäßige Mitarbeiterbefragungen gehören seit einigen Jahren zum Standardrepertoire der Personalabteilungen in größeren Unternehmen. Die explosionsartige Verbreitung dieses Instruments muss u. a. vor dem Hintergrund des European Foundation for Quality Management-Modells oder des Balance-Scorecard-Ansatzes gesehen werden. In diesen strategischen Konzeptionen sind neben Kundenbefragungen auch Mitarbeiterbefragungen mehr oder weniger verpflichtend. Im Fokus der Erhebungen steht dabei das hypothetische Konstrukt der Arbeitszufriedenheit als die "klassische" abhängige Variable zur Evaluation von Interventionen. Nun haben bekanntlich insbesondere größere Firmen im Zuge der Globalisierung in der Regel Standorte auch außerhalb Deutschlands, so dass häufig weltweit die Befragungen parallel in verschiedenen Sprachen und vor allem in unterschiedlichen kulturellen Kontexten stattfinden. Ein zentrales Problem beim Vergleich der Messungen ergibt sich zwangsläufig aus diesen divergierenden Rahmenbedingungen. Lassen sich die Arbeitszufriedenheitswerte aus verschiedenen Ländern im Rahmen eines "internal benchmarking" miteinander vergleichen? Für die Interpretation des Gesamtergebnisses und für die Ableitung von Maßnahmen ist die Beantwortung dieser Frage natürlich von immenser Bedeutung. Im Bereich der A.O.-Psychologie ist dieser Aspekt bislang nur unzureichend analysiert worden. Interkulturelle Forschung konzentrierte sich bisher primär auf die Erfassung und Modellierung von situationsunabhängigen arbeitsbezogenen Werthaltungen (z. B. Hofstede, 1980). Nur vereinzelt erschienen Studien zu kulturellen Einflüssen auf arbeitsbezogene Einstellungen. Hier sind beispielsweise die Untersuchungen zur interkulturellen Transferierbarkeit von Instrumenten zur Erfassung von Arbeitszufriedenheit anzuführen. Die Mehrheit dieser Arbeiten ist jedoch atheoretisch und bezüglich der Anzahl untersuchter Kulturen und der Breite der Fragestellung stark eingeschränkt. Hier setzt die vorliegende Studie von Herrn Müller an. Seine Arbeit hat zum Ziel, die aufgezeigte Lücke zu schließen und zu einem umfassenden Verständnis von kulturellen Einflüssen auf die Arbeitszufriedenheit beizutragen. Die Identifizierung eben dieser kulturellen Einflüsse steht somit im Zentrum der Untersuchungen. Zusammenfassend zielt die vorliegende Forschungsarbeit auf die Untersuchung folgender Problembereiche ab: * Die interkulturelle Transferierbarkeit von Instrumenten zur Erfassung der Arbeitszufriedenheit. * Die interkulturelle Überprüfung eines hierarchischen Modells der Arbeitszufriedenheit, das als Maß kultureller Werthaltungen dient (strukturorientierte Fragestellung). * Die Identifizierung kultureller Einflüsse auf die Ausprägungshöhe der Arbeitszufriedenheit (ausprägungsorientierte Fragestellung). Der theoretische Teil gibt einen hervorragenden Überblick über den Stand der Forschung zu dieser Thematik. Der empirische Teil besticht durch die Akribie der Durchführung, die fundierte Anwendung modernster Analyseverfahren und die kritische Reflektion der besonderen Problematik interkultureller Forschung. Wer die Probleme bei der Planung von derartigen Untersuchungen kennt, wird ermessen können, welche Hürden Herr Müller nehmen musste, bis sein Forschungsdesign realisiert werden konnte. Die Studien erbringen einen überzeugenden Beleg, dass Mitarbeiterbefragungen bei solider Konzeption global einsetzbar sind. Die Befragungsergebnisse selbst sind jedoch durch kulturelle Einflüsse geprägt. Hierbei verdeutlicht die Untersuchung die besondere Bedeutung der Positivität einer Kultur als zentralen Einflussfaktor. Die Arbeit zeigt, dass der Einfluss der Positivität in direktem Zusammenhang mit der häufig beobachteten, relativ hohen Zufriedenheit amerikanischer, insbesondere südamerikanischer Mitarbeiter und der relativen Unzufriedenheit südeuropäischer und ostasiatischer Mitarbeiter, hier insbesondere der Japaner steht. Besonders hervorzuheben ist darüber hinaus, dass die abgeleiteten Konsequenzen sich nicht nur auf die forschungsspezifischen Aspekte konzentrieren, sondern gerade auch die praktischen Implikationen im Auge behalten. Von daher bin ich überzeugt, dass die Publikation der Studie sowohl bei "Theoretikern" als auch bei "Praktikern" eine große Resonanz finden wird; ein Sachverhalt, der nicht gerade üblich ist.
Mannheim, im Juli 2006 Prof. Dr. Walter Bungard
Vorwort Die Forschung zu kulturellen Fragestellungen ist auf Grund der Komplexität des Untersuchungsgegenstandes durch ein hohes Maß an Schwierigkeiten und methodischen Problemen gekennzeichnet, welche die Forschung innerhalb einer singulären Kultur deutlich übertreffen. Triandis, einer der aktivsten Kulturforscher der jüngsten Vergangenheit innerhalb der Wirtschaftspsychologie, stellt hierzu fest, dass ohne die Verfügbarkeit umfangreicher Ressourcen Anstrengungen zur Untersuchung kultureller Unterschiede gänzlich unterlassen werden sollten. Der Begriff Ressourcen lässt sich in diesem Zusammenhang auf vielfältige Weise verstehen. Wichtige Ressourcen waren für mich alle, die zur Umsetzung dieser Arbeit beitrugen und bei denen ich mich hiermit herzlich bedanke. Die eigentliche Basis der vorliegenden Arbeit bildet die in der Theorie häufig geforderte und am Lehrstuhl für Wirtschafts- und Organisationspsychologie von Prof. Dr. Bungard tatsächlich umgesetzte Verknüpfung akademischer Forschung mit deren direkter Anwendung in der Praxis. Darüber hinaus trug Prof. Bungard mit zahlreichen differenzierten und kreativen Anmerkungen maßgeblich zu Verwirklichung dieser Untersuchung bei. Einen weiteren substantiellen Beitrag zum Gelingen der Arbeit leistete Frau PD Dr. Ingela Jöns durch ihr gehaltvolles Feedback während des gesamten Forschungsprozesses. Darüber hinaus waren die zahlreichen inhaltlichen und methodischen Diskussionen mit Prof. Dr. Keith Hattrup, Dipl.-Psych. Sandra Iris Reimuth und Dipl.-Psych. Cathrin Niethammer in hohem Maße anregend. Cand. Psych. Tammo Straatmann trug in seiner höchst motivierten Art erheblich zur endgültigen Fertigstellung der Arbeit bei. Neben allen Menschen, die mich über die Jahre hinweg inhaltlich begleitet haben, danke ich auch meinem Freundeskreis für seine geduldige und konstruktive Unterstützung. Zuletzt, aber in der Wertigkeit an zentraler Stelle, gilt der Dank meinen Eltern Rita und Hans-Georg Müller.
Mannheim, im Juli 2006 Karsten Müller
Aus dem Inhalt:
Geleitwort Vorwort Inhaltsverzeichnis Abbildungsverzeichnis Tabellenverzeichnis I. Einleitung 1. Hintergrund 2. Ziel der Arbeit 3. Aufbau der Arbeit II. Theoretischer Teil 1. Arbeitszufriedenheit 1.1 Modelle der Arbeitszufriedenheit 1.2 Messung der Arbeitszufriedenheit 2. Besondere Probleme der interkulturellen Forschung zur Arbeitszufriedenheit 2.1 Definitionen von Kultur 2.2 Konfundierung durch nationale Kontextvariablen 2.3 Konfundierung auf der Ebene nationaler Stichproben 2.4 Theoretische Einbettung der Fragestellung 2.5 Zusammenfassung und Integration 3. Kulturelle Rahmenmodelle 3.1 Wertedimensionen nach Hofstede 3.2 Wertedimensionen nach Schwartz 3.3 Wertedimensionen nach Trompenaars und Kollegen 3.4 Wertedimensionen des GLOBE-Forschungsprojekts 4. Theoretische Grundlagen der Messäquivalenz 4.1 Messäquivalenz im Rahmen der konfirmatorischen Faktoranal 4.2 Arbeitszufriedenheit und interkulturelle Messäquivalenz 4.3 Zusammenfassung und Hypothesen 5. Kulturelle Einflüsse auf die Struktur der Arbeitszufriedenheit 5.1 Bedeutung der Beziehung zwischen Facetten- und Gesamtzufriedenheit 5.2 Interkulturelle Einflüsse auf die Bedeutung von Facetten 5.3 Zusammenfassung und Hypothesen 6. Kulturelle Einflüsse auf die Höhe der Arbeitszufriedenheit 6.1 Nationale Unterschiede in der Ausprägungshöhe der Arbeitszufriedenheit 6.2 Interkulturelle Einflüsse auf die Ausprägungshöhe der Arbeitszufriedenheit 6.2.1 Der Einfluss kultureller Werte 6.2.2 Der Einfluss von Positivität 6.2.3 Der Einfluss von Antworttendenzen 6.3 Zusammenfassung und Hypothesen III. Empirischer Teil 1. Methode 1.1 Stichprobe 1.1.1 Stichprobe 1 1.1.2 Stichprobe 2 1.1.3 Stichprobe 3 1.2 Messinstrument 1.3 Durchführung der Befragung 1.4 Analyseverfahren 1.4.1 Untersuchung der Messäquivalenz 1.4.2 Analyse der internen Struktur der Arbeitszufriedenheit 1.4.3 Analyse der Höhe der Arbeitszufriedenheit 2. Ergebnisse 2.1 Überprüfung der interkulturellen Messäquivalenz 2.2 Überprüfung der Beziehung zwischen Facetten- und Gesamtzufriedenheit 2.3 Kulturelle Einflüsse auf die Höhe der Arbeitszufriedenheit 2.3.1 Korrelationen mit kulturellen Wertedimensionen 2.3.2 Korrelationen mit Positivität 2.3.3. Korrelationen mit Maßen der Antworttendenz 2.3.4 Korrelationen mit nationalen Kontextvariablen IV. Diskussion 1. Bezugnahme zur Fragestellung 1.1 Äquivalenz des Messinstruments 1.2 Interkulturelle Stabilität der Struktur der Arbeitszufriedenheit 1.3 Interkulturelle Unterschiede in der Höhe der Arbeitszufriedenheit 2. Implikationen für Forschung und Theorie 3. Implikationen für die betriebliche Praxis 4. Einschränkungen der Untersuchung 4.1 Nicht erfasste Alternativerklärungen 4.2 Kausalitätsproblematik 4.3 Ländergrenzen als Kulturgrenzen 4.4 Unterschiedliche Länderverteilung in den Stichproben 4.5 Befragung innerhalb multinationaler Unternehmen 4.6 Ungleiche Stichprobengrößen in den Ländern 4.7 Analyse der Daten auf Länderniveau 5. Ausblick auf zukünftige Forschungsfragen