Hönninger, Diana: Das Shadowing : Eine interaktive, prozess- und handlungsorientierte Methode zur Kundenbefragung / Diana Hönninger
Mit einem Geleitwort von Walter Bungard. Taunusstein : Driesen 2009 (Driesen Wirtschaftspsychologie). Zugl.: Mannheim, Universität, Dissertation 2009 - 277 S. ; 19 cm. , 33 Abbildungen und 21 Tabellen; ISBN 978-3-86866-118-7, Softcover, 41,00 Euro. Kundenzufriedenheit und Kundenbindung sind für viele Unternehmen von zentralem Interesse als wichtiger Schlüssel zur Sicherung ihres wirtschaftlichen Erfolges. Kundenbefragungen gehören für die meisten Unternehmen zum festen Repertoire marktorientierter Aktivitäten. Die Majorität der Kundenbefragungsinstrumente ist quantitativer Natur, diese besitzen jedoch nur begrenztes Anwendungspotenzial im Hinblick auf eine angestrebte Interventionsfunktion, bei der externes Feedback in die Optimierung organisationaler Strukturen und Prozesse fließt. Diana Hönninger stellt in ihrer Arbeit die Bedeutung und den Nutzen der innovativen, qualitativen Methode des Shadowings dar. Ziel ist die Entwicklung eines ganzheitlichen, integrativen und prozessorientierten Ansatzes zur Kundenbefragung, der die Erfassung aller relevanten Kundenbedürfnisse erlaubt und Handlungsimplikationen für Organisationen liefert. Insbesondere trägt die Arbeit zu einem umfassenden Verständnis der Shadowingmethode im Rahmen von Organisationsentwicklungsprozessen bei, indem der Kunde als Experte aktiv in die Gestaltung der konkreten Dienstleistungssituation einbezogen wird. Die Autorin: Jahrgang 1978; Studium der Psychologie an der Universität Mannheim und an der Université de Toulouse Le-Mirail, Frankreich; seit 2006 tätig am Lehrstuhl für Wirtschafts- und Organisationspsychologie der Universität Mannheim. Neben der Lehrtätigkeit arbeitet Diana Hönninger als Projektleiterin, Beraterin und Coach in zahlreichen nationalen und internationalen Organisationsentwicklungsprojekten. Geleitwort Kundenbefragungen gehören für die meisten Unternehmen zum festen Repertoire marktorientierter Aktivitäten zur Sicherstellung des unternehmerischen Erfolges. Die Majorität der Kundenbefragungsinstrumente in der Praxis ist hierbei quantitativer Natur, die Kundenzufriedenheit wird dabei in der Regel mittels Fragebögen oder Interviews erfasst. Der Fragebogen gliedert sich häufig in verschiedene vorab bestimmte Dimensionen der Kundenzufriedenheit, auf denen Kunden auf Ratingskalen ihren Grad der Zustimmung oder Zufriedenheit einstufen. Als Instrument zur Diagnose von allgemeinen Stärken und Schwächen an der »Kundenfront« eigenen sich quantitative Fragebogen hervorragend. Zum Zwecke des Benchmarking, um Entwicklungen über die Zeit abzubilden oder zur Steuerungs- und Kontrollfunktion können quantitative Kundenbefragungsinstrumente ebenfalls eine wertvolle Stütze sein. Im Hinblick auf eine zentrale Zielsetzung von Kundenbefragungen, nämlich der Verbesserung von Produkten und Dienstleistungen aufgrund des Kundenfeedbacks, ergeben sich hierbei jedoch einige Probleme, da die Fragen häufig wenig spezifisch und abstrakt formuliert sind, die Ergebnisse nur stark verdichtet auf höherer Unternehmensebene zurückgemeldet werden können und ein weiterer Beitrag der Kunden zur Interpretation der Ergebnisse meist nicht vorgesehen ist. Hier setzt die vorliegende Arbeit von Frau Hönninger an. Ihre Arbeit hat zum Ziel, Kundenfeedback mit einer alternativen, qualitativen Methode zur Kundenbefragung, dem Shadowing, einzuholen, und die damit verbundenen Potenziale für Wissenschaft und Praxis aufzuzeigen. Die Identifizierung handlungsorientierter Verbesserungsmaßnahmen für Mitarbeiter und Organisation auf Basis des Kundenfeedbacks steht dabei im Zentrum der Untersuchungen. Dazu wird zunächst der theoretische Rahmen des Konstrukts Kundenzufriedenheit aufgezeigt und die Komplexität von Kundenzufriedenheit und Kundenverhalten dargestellt. Im Anschluss folgen eine genaue Analyse bisher bekannter Kundenbefragungsinstrumente sowie eine Darstellung der Grenzen dieser Forschungsinstrumente. Die präzise Beschreibung der Shadowingmethode im historischen Abriss, im Vorgehen und in der Auswertung verdeutlicht die Vorzüge der Methode und trägt zum umfassenden Verständnis bezüglich des Einsatzes der Methode bei. Auf Basis zweier Studien in der Automobilindustrie hat Frau Hönninger die zentralen Ergebnisse des Shadowings dargestellt und den Mehrwert der Methode im Vergleich zu den herkömmlichen Instrumenten der Kundenbefragung herausgearbeitet. Dieser zeigt sich insbesondere in einem tiefen Erkenntnisgewinn bezüglich Kundenzufriedenheit und Kundenverhalten, einer höheren Detailorientierung der Ergebnisse sowie der Ableitung konkreter Handlungsimplikationen für organisationale Verbesserungsprozesse. Wer die Schwierigkeiten bei der Planung und Durchführung empirischer Untersuchungen im Feld – insbesondere qualitativer Designs – kennt, kann ermessen, wie kompetent und professionell die beiden Studien durchgeführt wurden. Die Ergebnisse sowie die hohe Teilnahmequote in den beiden Studien verdeutlichen ferner die hohe Akzeptanz der Shadowingmethode bei allen Beteiligten. Insgesamt ist es Frau Hönninger eindrucksvoll gelungen, den Blick für einen ganzheitlichen, prozess- und handlungsorientierten Zugang der Kundenbefragung zu weiten und qualitative Forschung mehr in das Zentrum des Interesses akademischer Sozialforscher und Praktiker zu rücken. Die Arbeit von Frau Hönninger stellt darüber hinaus einen hervorragenden Auftakt der neuen Reihe »Wirtschaftspsychologie« dar, die sich in ihren Schwerpunkten auf verschiedene Aspekte der Arbeits- und Organisationspsychologie sowie der Markt- und Werbepsychologie unter Berücksichtigung methodischer Gesichtspunkte konzentriert. An dieser Schnittstelle leistet die Arbeit von Frau Hönninger einen wesentlichen Beitrag für Theorie und Praxis. Mannheim, im Oktober 2009 Prof. Dr. Walter Bungard Vorwort Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, die Bedeutung und den Nutzen der innovativen, qualitativen Methode des Shadowings als eigenständige Forschungsmethode vorzustellen und den damit verbundenen Nutzen für Organisationen im Rahmen von Kundenbefragungen darzulegen. Neue Ideen und Methoden entstehen nicht nur in der tiefgründigen Reflexion, sondern auch durch zahlreiche Diskussionen mit verschiedenen Personengruppen und verschiedenste Anwendungen in der Praxis. Bei all den Personen, die zur Umsetzung dieser Arbeit beigetragen haben, möchte ich mich hiermit herzlich bedanken. Zunächst gilt mein Dank Prof. Dr. Walter Bungard für die Initiierung des Forschungsvorhabens sowie für seine wertvollen Anregungen und das gehaltvolle Feedback bei gleichzeitig großem akademischem Freiraum. Die Möglichkeit, am Lehrstuhl für Wirtschafts- und Organisationspsychologie akademische Forschung mit deren direkter Anwendung in der Praxis zu verknüpfen gab darüber hinaus zahlreiche Impulse für die Erstellung der Arbeit. Daneben trug Prof. Dr. Karsten Müller mit einer Vielzahl von differenzierten und kreativen Anmerkungen maßgeblich zur Verwirklichung dieser Arbeit bei. Die Durchführung der Shadowingmethode in der Praxis wäre ohne die Unterstützung von Unternehmensvertretern nicht möglich gewesen. Ich danke allen, die den Mut gezeigt haben, neue Wege der Kundenbefragung einzuschlagen und die Umsetzung der Methode ermöglicht haben. Ferner danke ich allen Mitarbeitern und Kunden des untersuchten Autohauses, die an der Shadowingmethode teilgenommen haben. Darüber hinaus waren die zahlreichen inhaltlichen und methodischen Diskussionen mit Dr. Dorothee Karl sowie Dipl. Psych. Stefanie Jonas-Klemm während des gesamten Erstellungsprozesses in hohem Maße anregend und trugen maßgeblich zur endgültigen Fertigstellung der Arbeit bei. Für ihren engagierten Einsatz sowie ihre Unterstützung bei der Datenauswertung möchte ich ferner den Diplomanden Dipl. Psych. Bernadeta Goštautaitė sowie Andrea Arjoca danken. Neben allen Menschen, die mich über die Jahre hinweg inhaltlich begleitet haben, danke ich auch meinem Freundeskreis für seine geduldige und konstruktive Unterstützung. Abschließend, aber in der Wertigkeit an ersterer Stelle, gilt der Dank meinen Eltern Gisela und Alois Hönninger, ebenso wie meinen Geschwistern Jochen und Tanja mit ihren Familien für ihre stete Anteilnahme und Unterstützung während des gesamten Erstellungsprozesses der vorliegenden Arbeit. Mannheim, im Oktober 2009 Diana Hönninger Aus dem Inhalt Geleitwort Vorwort Abbildungsverzeichnis Tabellenverzeichnis I. Einleitung 1 Relevanz des Themas 2 Zielsetzung der Arbeit 3 Aufbau der Arbeit II. Theoretischer Teil 1 Feedback von Kunden als ambivalenter Auftrag 2 Intentionen von Kundenbefragungen 3 Stand der Forschung zu Kundenzufriedenheit 3.1 Theoretische Grundlagen 3.1.1 Das Konzept der Kundenzufriedenheit 3.1.1.1 Das Confirmation / Disconfirmation Paradigma 3.1.1.2 Das qualitative Zufriedenheitsmodell von Stauss und Neuhaus 3.1.1.3 Das Kano-Modell der Kundenzufriedenheit 3.1.2 Direkte Einflussgrößen auf die Zufriedenheit der Kunden 3.1.3 Auswirkungen von Kundenzufriedenheit 3.1.4 Fazit zu den theoretischen Grundlagen 3.2 Methodische Grundlagen 3.2.1 Anforderungen an Kundenbefragungen 3.2.2 Konkrete Ziele von Kundenbefragungen 3.2.3 Übersicht über Kundenbefragungsmethoden 3.2.3.1 Objekt- vs. subjektorientierte Verfahren 3.2.3.2 Implizite vs. explizite Verfahren 3.2.3.3 Quantitative vs. qualitative Methoden 4 Problemfelder der bisherigen Anwendung der Methoden in der Praxis 5 Argumente für eine multiperspektivische qualitative Vorgehensweise 6 Shadowing als eine alternative, qualitative Methode zur Kundenbefragung 6.1 Zentrale Merkmale des Shadowings 6.2 Die Entstehungsgeschichte 6.2.1 Bezug zur Ethnographie 6.2.2 Bezug zur Arbeitspsychologie 6.3 Das Vorgehen 6.3.1 Vorbereitung 6.3.2 Datenerhebung 6.3.2.1 Die Beobachtung 6.3.2.2 Die Interviewsequenz 6.3.3 Dokumentation 6.4 Zusammenfassende Betrachtung des Shadowing-Ansatzes 7 Kundenzufriedenheit in der Automobilbranche 7.1 Besonderheiten der Automobilindustrie 7.1.1 Hersteller-Händler-Beziehung 7.1.2 Verschiedene Formen der Kundenzufriedenheit 7.2 Visualisierung des Kundenpfads 7.3 Studien zur Kundenzufriedenheit 7.3.1 Kundenzufriedenheit in der Autowerkstatt 7.3.2 Kundenzufriedenheit im persönlichen Verkauf 8 Zusammenfassung und Generierung der Fragestellungen der Arbeit III Empirischer Teil 1 Planung der Studien 1.1 Eine explorative Vorstudie 1.2 Die Hauptstudien 1.2.1 Festlegung des Untersuchungsfeldes 1.2.2 Konzeption des Leitfadens 1.2.3 Durchführung eines Pretests 2 Datenauswertung 2.1 Transkription 2.2 Analyseverfahren 2.2.1 Die qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring 2.2.2 Die computergestützte zusammenfassende Inhaltsanalyse 2.2.3 Die Interaktionsprozessanalyse von Bales 3 Ergebnisse 3.1 Vorstudie: Expertenbefragung in der Automobilindustrie 3.2 Hauptstudie 1 3.2.1 Die Stichprobe 3.2.2 Zufriedenheitsdimensionen der Kunden 3.2.3 Analyse des Kundenprozesses 3.2.3.1 Kundenfeedback am Empfang 3.2.3.2 Kundenfeedback zum Beratungsgespräch mit dem Meister 3.2.3.3 Kundenfeedback bei der Fahrzeugabholung 3.2.4 Zusammenfassung und Fazit 3.3 Hauptstudie 3.3.1 Die Stichprobe 3.3.2 Analyse der Interaktion im persönlichen Beratungsgespräch 3.3.3 Erleben der Prozesskette aus Kundensicht 3.3.4 Zusammenfassung und Fazit 4 Erfahrungen mit der Methode aus unterschiedlichen Perspektiven IV. Abschließende Diskussion 1 Relevanz der Ergebnisse im Hinblick auf die Zielsetzung der Arbeit 2 Anwendungsorientierte Diskussion der Methode 3 Ausblick Literaturverzeichnis Anhang Literaturverzeichnis Adams, J. S. (1965). Inequity in social exchange. Advances in Experimental Social Psychology, 2, 267-299. Adler, P. A. & Adler, P. (1998). Peer Power: preadolescent culture and identity. New Brunswick: Rutgers University Press. Agar, M. (1996). The Professional Stranger. An Informal Introduction to Ethnography. New York: Academic Press. Ah-Keng, K. & Wan-Yiun Loh, E. (2006). The effects of service recovery on consumer satisfaction: A comparison between complainants and non-complainants. Journal of Services Marketing, 20 (2), 101-111. Albrecht, K. (1988). At America\'s Service. How Corporations can Revolutionize the Way they Treat their Customers. Homewood: Business One Irwin. Albrecht, K. & Zemke, R. (1987). Service-Strategie. Hamburg: McGraw-Hill Book Company GmbH. Anderson, E. 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