Falk, Susanne: Die »Arisierung« Wiener Zeitungsverlage - Das Verlagshaus Canisiusgasse 8-10
Taunusstein : Driesen, 2. Aufl 2011 (Driesen Sprach- und Literaturwissenschaften). - 215 S., Ill., 19 cm. Zugl.: Wien, Universität, Diplomarbeit, 2002. ISBN 978-3-86866-004-3, kart., zahlreiche Abbildungen, EUR 28,00 Der Anschluss Österreichs an Nazi-Deutschland am 13. März 1938 bedeutete einen Wendepunkt in der Österreichischen Pressegeschichte. Die schon im österreichischen Ständestaat nur sehr begrenzt vorhanden gewesene Pressefreiheit fiel nunmehr gänzlich der nationalsozialistischen Propagandapolitik zum Opfer. Zeitungsredaktionen wurden geschlossen, ihre Mitarbeiter mit Berufsverboten belegt, schikaniert und verhaftet. Die Beteiligungen der jüdischen Eigentümer wurden zunächst beschlagnahmt und schließlich "arisiert". Susanne Falk beleuchtet die Österreichische Pressegeschichte von 1938 bis 1945 und zeigt am Beispiel des Verlagshauses in der Wiener Canisiusgasse 8-10, welche Auswirkungen die NS-Pressepolitik auf das österreichische Zeitungswesen hatte. Die Autorin zeichnet die Firmengeschichten der "Morgen-Verlag Ges.m.b.H.", der "Tag Verlag AG" und der "Kronos-Verlag AG" sowie die persönlichen Schicksale der ehemaligen Verlagseigentümer, Herausgeber und Journalisten nach und schlägt einen Bogen bis in die Pressegeschichte der Nachkriegszeit. Die Autorin: Jahrgang 1976; Abitur; Studium der Germanistik, Politologie, Anglistik und Publizistik an den Universitäten Rostock und Wien; Magistra phil.; Doktorandin an der Geistes- und Kulturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien mit einem Dissertationsvorhaben über Hans Habe.
Geleitwort: Canisiusgasse 8-10 im bürgerlichen 9. Wiener Gemeindebezirk. Heute erinnert nichts daran, dass hier in den 20er und 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts Journalisten und literarische Mitarbeiter ein und ausgegangen sind, manche von ihnen prominent und uns heute noch im Gedächtnis - wie etwa der Schriftsteller Robert Musil, der Kritiker Alfred Polgar oder der Filmtheoretiker Béla Balázs -, manche von ihnen wie Wiens selbsternannter Obersozialarbeiter und vielschreibender Romanschriftsteller Hugo Bettauer bisweilen respektiert und nicht zuletzt der vom Satiriker und Fackel-Herausgeber Karl Kraus aus der Stadt gejagte "Schuft aus Wien", Imre (Emmerich) Békessy. Sein 1923 gegründetes und abends erscheinendes "Revolverblatt" Die Stunde, das Erpressung und Sensation zu journalistischen Tugenden machte, hatte seine Redaktionsräume in der Canisiusgasse 8-10 ebenso wie andere, dem Vernay-Konzern gehörende Periodika (Der Tag, Die Börse, Die Bühne etc.). Während wir in Form von Einzelstudien und Überblicksarbeiten über die einzelnen Firmen, die hier ihren Hauptsitz hatten, wenigstens rudimentär informiert sind, wissen wir trotz der großen Anstrengungen an Universitätsinstituten bzw. in der österreichischen Historikerkommission in den letzten Jahren noch relativ wenig über das "Schicksal" der verschiedenen Verlagskonzerne wie etwa Johann N. Vernay. Freilich liegt das auch zum Teil daran, dass einschlägiges Archivmaterial bestenfalls spärlich überliefert ist. Um sich ein Bild zu verschaffen, ist man auf Tertiärquellen wie die Akten des Handelsgerichts Wien oder die Akten der von den Nationalsozialisten eingerichteten Vermögensverkehrsstelle angewiesen. In der vorliegenden Arbeit stellt sich Susanne Falk zur Aufgabe, die genaue Vorgehensweise bei den "Arisierungen", Enteignungen und Liquidierungen jener Zeitungsverlage, die in der Canisiusgasse ihren Sitz hatten, nachzuzeichnen. Wie sie einleitend festhält, kommt sie im Laufe ihrer Untersuchung zu einer Art Grundmuster bei der ›Entjudung‹ bzw. ›Enteignungspolitik‹. Und darin liegt wohl ein wichtiger Verdienst dieser Arbeit. Der Leser erfährt viel Neues nicht nur über einzelne Firmen, sondern auch über die maßgeblichen Persönlichkeiten, wie etwa Maximilian Schreier, dem ein Einzelporträt gewidmet ist. Die Arbeit gewährt uns nicht nur einen Überblick über das Pressewesen im österreichischen Ständestaat, sondern zudem auch einen Einblick in die Strategie der Nationalsozialisten gegenüber dem Pressewesen generell. Alles in allem handelt es sich um eine genau recherchierte und engagiert geschriebene Arbeit, die gewiss ein Mosaiksteinchen in der Geschichte der österreichischen Zeitungsverlage bilden wird. Murray G. Hall Wien, im November 2002 Vorwort: Mein besonderer Dank geht an alle Personen, die durch ihre tatkräftige Unterstützung zum Entstehen dieser Arbeit beigetragen haben: Prof. Dr. Murray G. Hall, meine Eltern Arndt und Heidrun Falk, die Mitarbeiter des Wiener Stadt- und Landesarchivs, des Österreichischen Staatsarchivs/Archiv der Republik, des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes, der Wiener Stadt- und Landesbibliothek, des Archivs des Landesgerichts für Strafsachen Wien, des Archivs des Handelsgerichts, Mag. Nikolaus Futter vom Compass-Verlag, Dr. Erika Bleier vom Landesgremium Wien der Buch- und Medienwirtschaft, und im besonderen geht mein Dank an die Mitarbeiter der Österreichischen Nationalbibliothek und der Bibliotheken der Universität Wien. Herrn Albrecht Driesen sei an dieser Stelle für das kompetente Lektorat und die reibungslose Projektabwicklung bei der Veröffentlichung dieser Arbeit gedankt. Großen Dank schulde ich auch allen Freunden und Verwandten, die mich unterstützt und mir Mut gemacht haben und die durch viele Anregungen diese Arbeit mit entstehen ließen. Stellvertretend seien genannt: Michael Koscher, Bettina Führer und Georg Elben. Susanne Falk Wien, im November 2002 Aus dem Inhalt: 1 Vorwort 2 Einleitung 3 Erster Teil 3.1 Einführung in die Problematik 3.1.1 Aktueller Forschungs- und Quellenstand 3.1.2 Die wirtschaftliche Ausgangslage in Österreich 1938 3.2 Presseverlage im Ständestaat 3.2.1 Der Zeitungsmarkt März 1938 3.2.2 Firmenvielfalt und Absatzmärkte 3.2.3 Journalisten 3.2.4 Presse in der Illegalität 1933 - 1938 3.3 Exkurs: Hitlers "Mein Kampf" und die Freiheit der Presse 3.4 Der März 1938 und die Folgen für das österreichische Pressewesen 3.4.1 Organisationen und Verbände der Nationalsozialisten in Österreichs Presselandschaft 3.4.2 Das Prinzip der "Arisierungen" 3.4.3 Enteignung und Liquidation 3.4.5 Die Folgen für österreichische Verlage von Printmedien 3.4.5 Private Folgen für die Ureigentümer: Innere oder äußere Emigration, Verfolgung und KZ 3.4.6 Entnazifizierung in der österreichischen Wirtschaft 4 Zweiter Teil 4.1 Einleitung 4.2 Das Verlagshaus Canisiusgasse 8-10 4.2.1 Zur Geschichte des Hauses 4.2.2 Ansässige Firmen 4.3 Die Zeitungsverlage im Einzelbeispiel 4.3.1 Johann N. Vernay Druckerei- und Verlags A.G 4.3.2 Der Compass-Verlag 4.3.3 Der Morgen - Verlag Gesellschaft m.b.H 4.3.4 Kronos Verlag A.G 4.3.5 "Der Tag" Verlag A.G 4.4 Maximilian Schreier - Ein Einzelportrait 4.4.1 Ida Schreier 4.5 Resümee 4.6 Forschungsausblick
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